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 Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) e.V.
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  Das Kunsthistorische Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
 
 
 
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Die Villa Romana in Florenz
Seit der Renaissance zog es immer wieder Künstler aus verschiedenen Ländern Europas nach Italien, um vor Ort antike und zeitgenössische Kunstwerke zu studieren. Als erste Nation bot Frankreich seinen Künstlern eine Anlaufstelle und Ausbildungsstätte im Süden, die 1666 in Rom gegründete Académie de France. Wenngleich der Wunsch nach der Etablierung einer deutschen Akademie ab dem 18. Jahrhundert wiederholt geäußert worden war, wurden erst im darauffolgenden Jahrhundert ernsthafte Versuche unternommen, diesen Traum zu verwirklichen: Zwischen 1872 und 1875 mieteten der Bildhauer Adolf von Hildebrand, der Maler Hans von Marée und der Mäzen Conrad Fiedler ein ehemaliges Klostergebäude bei Florenz, um dort eine Ateliergemeinschaft zu bilden. Diese löste sich zwar mit dem Wegzug Marées auf, jedoch formierten sich nach ihrem Vorbild danach weitere Künstlerkreise, etwa um die Schriftstellerin Isolde Kurz und den Maler Arnold Böcklin. 1887/89 plante Karl Stauffer-Bern zusammen mit seinen beiden Züricher Gönnern, Lydia Welti-Escher und deren Mann Emil Welti, nach Florenz überzusiedeln und dort ein Künstlerhaus zu gründen. Dieses Vorhaben wurde jedoch bald durch die Liebesaffäre, die sich zwischen dem Künstler und seiner Mäzenin entspann, überschattet und durch den tragischen Selbstmord der beiden im Jahr 1891 jäh beendet. Ein weiteres Projekt, 1895/96 durch den Maler Ernst Moritz Geyger in Angriff genommen, scheiterte ähnlich unglücklich.

Schließlich gelang es Max Klinger zusammen mit seinem Freund, dem Verlagsbuchhändler Georg Hirzel, den Vorstand des 1903 in Weimar, in Opposition zur wilhelminischen Kunstpolitik gegründeten Deutschen Künstlerbundes für seine Pläne zu gewinnen. Zwei Jahre später erwarb Klinger die Villa Romana, die am südlichen Stadtrand von Florenz, an der Ausfallstraße nach Rom gelegen ist, und begann mit der Einrichtung von vier Künstlerwohnungen mit Ateliers. Im November 1905 traf der erste Stipendiat, der Leipziger Maler Kurt Tuch, in Florenz ein. Seine Nominierung und die nachfolgender Generationen von Preisträgern des Villa Romana-Stipendiums erfolgte durch eine Jury, die sich (bis 1972) ausschließlich aus Mitgliedern des Deutschen Künstlerbundes zusammensetzte. Gefördert wurden Künstler aller „künstlerisch gültigen Richtungen“. Der Preis sah einen mehrmonatigen Aufenthalt in Florenz vor, während dessen die Künstler eine kleine finanzielle Beihilfe erhielten, und war an die Bedingung geknüpft, „daß die in der Villa oder direkt durch sie angeregten Arbeiten zuerst auf den Ausstellungen des D.K.B. [Deutschen Künstlerbunds] ausgestellt werden“. Die Liste der Preisträger weist viele berühmte Namen auf, so zum Beispiel Georg Kolbe, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Gerhard Marcks, Horst Antes, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Dorothee von Windheim, Anna Oppermann und viele andere. Dank engagierter Kräfte und Finanziers stellt die Villa Romana bis zum heutigen Tag eine feste Größe deutscher Kulturförderung und Kulturpolitik dar.

 


Weiterführende Literatur zur Geschichte der Villa Romana:

  • Mir tanzt Florenz auch im Kopfe rum. Die Villa Romana in den Briefen von Max Klinger an denVerlegerGeorg Hirzel, herausgegeben und eingeleitet von Angela Windholz, München u.a. 2005
  • Ein Arkadien der Moderne? 100 Jahre Künstlerhaus Villa Romana in Florenz , herausgegeben von Thomas Föhl und Gerda Wendermann (Ausstellung Neues Museum Weimar, 8.10.2005-15.1.2006), Berlin 2005
 
Florenz gratuliert der Villa Romana

Nachdem bereits in Deutschland, in der Schweiz und in vielen anderen Ländern der 100. Geburtstag der Villa Romana in zahlreichen Zeitungsartikeln, mit Tagungen und Ausstellungen gebührend gefeiert wurde, reihte sich Ende November 2005 Florenz selbst in die Reihe der Gratulanten ein. Auf Initiative des Schweizerischen Konsulats, in Zusammenarbeit mit dem KHI, dem Gabinetto G. P. Vieusseux – Centro Romantico und der Università di Firenze fanden an drei aufeinander folgenden Tagen gleich mehrere Veranstaltungen statt:

Den Auftakt bildete am 23. November die Vernissage der Ausstellung Villa Romana – PortaRomana im Schweizerischen Konsulat, in der schwarz-weiß-Photographien der Villa und ihrer Umgebung aus den Anfangsjahren des Künstlerhauses gezeigt wurden. Ferner stellte der Journalist und Autor Willi Wottreng aus Zürich sein neuestes Buch Die Millionärin und der Maler. Die Tragödie Lydia Welti-Escher und Karl Stauffer-Bern vor. Darin zeichnet er anhand von Quellen die tragisch endende Liebesaffäre zwischen der Millionenerbin Lydia Welti-Escher und dem Maler und Bildhauer Karl Stauffer-Bern nach, die sich Mitte der 1880er Jahre in der Schweiz und Italien zutrug. Im Anschluß daran schenkte der scheidende Leiter der Villa Romana, Joachim Burmeister, dem Autor das Tagebuch des Künstlers Stauffer-Bern sowie die Abschrift eines Konvoluts an Dokumenten über Lydia Welti-Escher, deren Originale sich im Florentiner Staatsarchiv erhalten haben.

Der zweite Teil der Festivitäten wurde im KHI begangen. Gerhard Wolf überreichte Joachim Burmeister ein Exemplar der jüngst erschienenen Buchausgabe der 544 Briefe Max Klingers aus dem Archiv der Villa Romana. Mir tanzt Florenz auch im Kopfe rum. Die Villa Romana in den Briefen von Max Klinger an den Verleger Georg Hirzel betitelt, wurde sie von Angela Windholz, derzeit Postdoc-Stipendiatin am KHI, herausgegeben und eingeleitet; die Drucklegung des Werks ist der großzügigen Unterstützung des Vereins zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz e.V. zu verdanken, der hierzu 5.000 EUR bereitstellte. Den festlichen Abschluß des Abends bildete ein Konzert, bei dem die Mezzosopranistin Claudia Hasslinger, am Flügel von Gregorio Nardi begleitet, Weisen von Johannes Brahms, Hugo Wolf und Max Reger vortrug. Danach begaben sich die Gäste zu einem Umtrunk in die Casa Zuccari.

Am darauffolgenden Tag fand zum Abschluß eine Tagung im Palazzo Strozzi statt, die vom Gabinetto G. P. Vieusseux – Centro Romantico und der Università di Firenze organisiert worden war. In der ersten, von Maurizio Bossi geleiteten Sektion referierten Philipp Kuhn über Max Klinger und seine Villa Romana, anschließend Claudia Vitale über die Frauen, die in der Villa Romana lebten und arbeiteten. Unter dem Vorsitz von Maria Fancelli sprach Gerd Blum zum zweijährigen Florenz-Aufenthalt der Künstler Adolf von Hildebrand und Hans von Marée. Giovanni Faccenda schloß mit einem Vortrag zur Malerei Arnold Böcklins und Giorgio De Chiricos.

Zur Edition der Klinger-Briefe

Das typographisch sehr ansprechend präsentierte Buch Mir tanzt Florenz auch im Kopfe rum umfaßt 495 Seiten und gliedert sich in vier Abschnitte: Auf das Vorwort von Gerhard Wolf folgt eine knapp 60-seitige Einleitung von Angela Windholz. In ihr skizziert die Kunsthistorikerin die Protagonisten der Briefe und das komplexe kulturgeschichtliche Ambiente der Jahre 1901 bis 1920. Darauf folgt in chronologischer Ordnung der Abdruck der 544 Briefe und Ansichtskarten aus der Feder Max Klingers. Falls vorhanden, sind die Adresse sowie die Informationen des Poststempels angegeben. Komplettiert wird die Ausgabe durch ein ausführliches Personen- und Ortsverzeichnis sowie ein Register der in den Briefen erwähnten Kunstwerke des Malers, Graphikers und Bildhauers.

Die Briefe Max Klingers sind in vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung: Sie lesen sich nicht nur als eine Art Tagebuch dieses herausragenden deutschen Künstlers der Jahrhundertwende, sondern auch als interessantes zeitgeschichtliches Zeugnis. Darüberhinaus handelt es sich bei diesen Korrespondenzen um die einzig erhaltenen Dokumente aus der Gründungsphase des Künstlerhauses, nachdem das Villa Romana-Archiv in Berlin während des Zweiten Weltkriegs in Flammen aufging.

Mir tanzt Florenz auch im Kopfe rum. Die Villa Romana in den Briefen von Max Klinger an den Verleger Georg Hirzel, herausgegeben und eingeleitet von Angela Windholz, München u.a. 2005


 
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