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 Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) e.V.
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  Das Kunsthistorische Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
 
 
 
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Jacob-Burckhardt-Preis 2007


Ort: Kunsthistorisches Institut in Florenz
Datum: Dienstag, 4.12.2007
Uhrzeit: 18 Uhr


Das Kunsthistorische Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) und sein Förderverein verleihen den Jacob-Bur ckhardt-Preis 2007 an PD Dr. Johannes Myssok von der Universität Münster für seine Forschungen zur italienischen Skulptur von der Frühen Neuzeit bis zu dem epochalen Klassizisten Antonio Canova. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde von Irene und Rolf Becker, München, gestiftet und wird am 4. Dezember im Rahmen einer öffentlichen Festveranstaltung des Instituts in Florenz verliehen.
Preisverleihung mit Konzert, Laudatio und Vortrag

Programm:

Saluto
Alessandro Nova, Geschäftsführender Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut)

Begrüßung
Herbert Beck, Vorsitzender des Vorstands des Vereins zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) e.V.

Konzert, erster Teil
Ensemble L’Homme Armé, Leitung Fabio Lombardo:
Claudio Monteverdi "amoroso" e "guerriero"
"scherzi amorosi …"
Et è pur dunque vero
Quel sguardo sdegnosetto
Lamento della Ninfa (‘rapresentativo’)

Laudatio
Steffi Roettgen, Ludwig-Maximilians-Universität München

„Buch, Allegorie, Bild. Die malerische Dekoration der Markusbibliothek“
Johannes Myssok, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Konzert, zweiter Teil
Ensemble L’Homme Armé, Leitung Fabio Lombardo:
Claudio Monteverdi "amoroso" e "guerriero"
"… e canti guerrieri"
Sonata Decimaquinta a 4
Se vittorie si belle
Ardo
Combattimento di Tancredi e Clorinda

Aperitivo


PD Dr. Johannes Myssok – Zur Person des Preisträgers

Johannes Myssok wurde 1966 in Bielefeld geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Italienische Philologie in Düsseldorf. 1996 wurde er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Kunstgeschichte mit seiner Dissertation „Bildhauerische Konzeption und plastisches Modell in der Renaissance“ promoviert (1999 publiziert). Ebenfalls in Münster habilitierte er sich 2004 mit der Arbeit „Antonio Canova: Die Erneuerung der klassischen Mythen in der Kunst um 1800“. Forschungsaufenthalte führten ihn an das Kunsthistorische Institut in Florenz und das Deutsche Studienzentrum in Venedig. Im Sommersemester 2005 vertrat Herr Myssok den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Münster. In diesem Jahr erscheint in Florenz sein Buch „La Fontana di Nettuno di Bartolomeo Ammannati“.

„Buch, Allegorie, Bild. Die malerische Dekoration der Markusbibliothek“

Mit der Ausdifferenzierung der malerischen Gattungen in der neuzeitlichen Malerei wird eine Denkfigur zunehmend zentral für die bildhafte Gestaltung komplexer Themen: Die Allegorie. Zwar ist die Umsetzung allegorischer Konzepte in der Barockmalerei immer wieder Thema der Forschung gewesen, doch ist letztlich wenig über die Ausbildung der Formen allegorischer Malerei in der frühen Neuzeit bekannt. Stillschweigend wird eine Kontinuität von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit angenommen, doch selbst bei oberflächlicher Betrachtung unterscheiden sich etwa Giottos Allegorien der Paduaner Arenakapelle grundlegend von der allegorischen Bildsprache der Generation Vasaris.
Der Vortrag fokussiert den Wandel zur Neukonzeption allegorischer Bildsprache, der sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Florenz und Venedig vollzieht anhand des hierfür vielleicht zentralen Ausstattungsprogramms, die malerische Dekoration der Markusbibliothek in Venedig. Mit dem Wettbewerb von 1556 um die Ausführung der Deckendekoration kulminierte die 'manieristische Krise' der venezianischen Malerei und Paolo Veronese setzte sich schließlich als der bedeutendste Maler der Lagunenstadt durch. Es ist jedoch genau so auch erkannt worden, dass dem von sieben Malern geschaffenen Zyklus eine besondere Rolle in der Ausbildung allegorischer Bildkonzepte auf dem Weg hin zu Ripas 'Iconologia' zukommt, und es stellt sicherlich keinen Zufall dar, dass der Wettbewerb im selben Jahr abgehalten wurde, in dem Vincenzo Cartaris bedeutende mythographische Schrift 'Immagini degli Dei degli antichi' ausgerechnet am selben Ort, in Venedig, publiziert wurde. Bis heute ließ sich jedoch keine schlüssige Interpretation dieses in seiner Gesamtbedeutung dunkel scheinenden Zyklus finden.
Auf Grundlage der bislang vorgelegten Ansätze entwickelt der Vortrag eine neue Gesamtdeutung der Dekoration, wofür stärker als bislang die Ausbildung und Rolle der Allegorie in Venedig und im Veneto in die Überlegungen einbezogen werden wird. Neu aufgefundenes Material ermöglicht es dabei, die konzeptionelle Entstehung des Zyklus konkreter als in der Vergangenheit nachzuzeichnen und die Rolle der einzelnen Künstler zu konturieren.


Der Jacob Burckhardt-Preis

Der Jacob Burckhardt-Preis wurde im Jahr 2004 auf Initiative der damaligen Direktoren des Kunsthistorischen Institutes in Florenz – Max-Planck-Institut (KHI), Prof. Dr. Max Seidel und Prof. Dr. Gerhard Wolf, begründet.
Der Preis wird im Abstand von zwei Jahren an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen, die von den Direktoren des KHI gemeinsam mit dem Förderverein benannt werden. Mit dem dreimonatigen Forschungsaufenthalt am Florentiner Institut ist die Einladung verbunden, einen öffentlichen Vortrag zu halten und einen Aufsatz in den Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz zu publizieren.
Namensgeber des Preises ist der Schweizer Kultur- und Kunsthistoriker Jacob Burckhardt (1818-97), dessen Werke wie „Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens“ (1855), „Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch“ (1860) und „Die Baukunst der Renaissance in Italien“ (1867) die Kunstwissenschaft nachhaltig prägten. So ist es primär Burckhardt zuzuschreiben, dass die deutschsprachige Kunstgeschichtsschreibung ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Erforschung der Kunst der italienischen Renaissance ihre wichtigste Aufgabe sah. Aus dieser Begeisterung heraus lag es nahe, die erste deutsche kunstgeschichtliche Forschungsstätte, die 1897 in Italien gegründet wurde, in Florenz anzusiedeln.




 


Antonio Canova: Psyche, 1793/94, Marmor, 150 x 50 x 60 cm (Kunsthalle Bremen)
 
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