Das Vermächtnis des Don Giulio Clovio
(1498-1578) und die wundersame Vermehrung der Zeichnungen Michelangelo
BuonarottisReferent: Prof. Dr. Alexander Perrig, Emeritus der Universität
Trier
Ort: Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Südliches Schlossrondell
23, München-Nymphenburg
Datum: Mittwoch, 12.11.2008
Uhrzeit: 19 Uhr
Als Kardinal Alessandro Farnese (1520-1589) starb, enthielt seine
nicht geordnete Zeichnungssammlung laut Zählung von deren Betreuer
(Fulvio Orsini) 658 Einzelblätter. 412 davon waren mit Zeichnungen
eines einzigen Künstlers, des zu seiner Zeit berühmtesten
Miniators Giulio Clivio bestückt. Der Rest verteilte sich auf
schätzungsweise 40-50 andere Individuen. Im Laufe des 17. und
18.Jahrhunderts unterlag der farnesische Blätterbestand außer
einem Schrumpfungs- auch einem Verwandlungsprozess. Zwischen 1626
und 1653, als er bei 619 Blättern verharrte, lösten sich
nicht nur etliche Kleinkontingente, sondern auch die Clovio-Hekatomben
scheinbar in Luft auf, während die wenigen Michelangelos
und Raffaels sich vervielfachten und aus vielen vormaligen
Repräsentanten namentlich bekannter Künstler Mengen anonymer
Blätter wurden.Im kunsthistorischen Schrifttum glänzt die
Frage nach dem Verbleib des riesigen Clovio-Kontingents aus nicht
unerfindlichen Gründen durch Abwesenheit. Sie wird im Mittelpunkt
des Vortrags stehen.
Zur aktuellen Debatte sei auch auf den Artikel
in der Online-Version der Zeit (19.12.2007, Nr. 52) von Prof. Dr.
Horst Bredekamp (Humboldt-Universität Berlin) verwiesen: http://www.zeit.de/2007/52/SM-Michelangelo-Neu Prof. Dr. Alexander Perrig studierte Kunstgeschichte, Archäologie
und Philosophie in Basel, Rom und Salamanca. 1958 wurde er in Basel
promoviert, 1967 folgte die Habilitation. Von 1972 bis 1980 lehrte
er Kunstgeschichte in Hamburg, von 1980 bis 1985 in Marburg und danach
in Trier. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Arbeiten über
Leonardo da Vinci, Michelangelo und seinen Umkreis, Gustave Moreau,
sienesische Maestà-Darstellungen des 14. Jahrhunderts, ferner
zur Methodik der Zeichnungsanalyse und Probleme der Linearperspektive
und Landschaftsdarstellung.
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